Erste Hilfe am Hund; Parasiten & Mittelmeerkrankheiten

Erste Hilfe bei Pfoten-Check

Ob beim Toben im Wald oder durch Splitter auf dem Gehweg – Pfotenverletzungen passieren schnell. So gehst du vor:

  1. Ruhe bewahren: Dein Hund spürt deinen Stress. Sicher ihn (evtl. Maulkorb/-schlaufe), da Schmerzen zu Abwehrreaktionen führen können.
  2. Reinigen & Sichten: Spüle die Pfote mit lauwarmem Wasser oder Kochsalzlösung ab, um Dreck zu entfernen.
  3. Blutung stoppen: Drücke ein sauberes Tuch fest auf die Wunde. Bei eingerissenen Krallen kann es stark bluten – keine Panik, Druck hilft!
  4. Fremdkörper: Sitzt ein Splitter locker? Vorsichtig mit der Pinzette ziehen. Steckt etwas tief (Glas, Dorn)? Finger weg und ab zum Tierarzt.
  5. Schutzverband: Polstere die Zehenzwischenräume mit Watte und lege einen lockeren Verband an, um Schmutz fernzuhalten.

Wann zum Tierarzt?

  • Wenn die Kralle tief gespalten ist oder quer steht.
  • Bei starken Blutungen, die nach 10 Minuten nicht aufhören.
  • Wenn der Hund stark lahmt oder die Wunde klafft.

Pro-Tipp: Ein gut sitzender Pfotenschuh im Erste-Hilfe-Set erspart unterwegs viel Stress und hält den Verband sauber!

Hunde sind neugierig und aktiv, was leider oft zu kleinen oder größeren Unfällen führt. Hier sind die am häufigsten vorkommenden Verletzungen im Überblick:

1. Pfoten- und Krallenverletzungen

Sie gehören zu den Spitzenreitern im Alltag.

  • Schnittwunden: Durch Glasscherben, scharfe Steine oder im Winter durch Streusalz und Eis.
  • Eingerissene Krallen: Passieren oft beim hängenbleiben an Teppichen oder Wurzeln.
  • Verbrennungen: Im Sommer wird Asphalt extrem heiß, was zu schmerzhaften Brandblasen an den Ballen führen kann.

2. Beißvorfälle

Auseinandersetzungen mit Artgenossen oder anderen Tieren führen oft zu Bisswunden. Diese sind tückisch, da sie oberflächlich klein wirken können, unter der Haut aber oft Taschen bilden, die sich schnell entzünden.

3. Verletzungen am Bewegungsapparat

Besonders bei sportlichen Hunden oder Senioren treten orthopädische Probleme auf:

  • Kreuzbandriss: Eine der häufigsten chirurgischen Verletzungen, oft verursacht durch abruptes Abstoppen oder Verdrehen des Knies.
  • Zerrungen & Verstauchungen: Klassische Folgen von wildem Toben oder unglücklichen Sprüngen.
  • Brüche: Meist die Folge schwererer Unfälle wie Stürze oder Verkehrsunfälle.

4. Augen- und Ohrenverletzungen

Fremdkörper wie Grannen (besonders im Sommer), Pflanzenteile oder Kratzer durch Gebüsch können die Hornhaut des Auges verletzen oder tief im Gehörgang Entzündungen auslösen.

5. Vergiftungen und Fremdkörper

Technisch gesehen oft als "innere Verletzung" gewertet: Das Verschlucken von Socken, Steinen oder giftigen Lebensmitteln (Schokolade, Weintrauben) führt regelmäßig zu Notfällen in Tierkliniken.

Wichtiger Hinweis: Viele Verletzungen (wie Bisswunden oder Lahmheiten) erfordern eine tierärztliche Abklärung, auch wenn sie zunächst harmlos erscheinen.

Ein Hotspot (pyotraumatische Dermatitis) ist eine oberflächliche, meist kreisrunde Hautentzündung, die innerhalb weniger Stunden entstehen kann. Sie ist für den Hund extrem schmerzhaft und juckt stark.

Woran erkennst du ihn?

  • Aussehen: Die Stelle ist haarlos, rot, glänzend-feucht und oft eitrig belegt.
  • Verhalten: Dein Hund leckt, knabbert oder kratzt sich dort pausenlos.
  • Geruch: Oft verbreitet die Stelle einen unangenehmen, süßlich-fauligen Geruch.

Wie entsteht ein Hotspot?

Die Ursache ist meist ein kleiner Reiz (Flohstich, Zeckenbiss, kleine Wunde oder allergische Reaktion). Durch das exzessive Lecken und Kratzen bringt der Hund Bakterien in die Haut ein – es entsteht eine „feuchte Entzündung“, die sich rasant ausbreitet. Besonders betroffen sind Rassen mit dichtem Unterfell (z. B. Golden Retriever, Neufundländer).

Erste Hilfe & Behandlung

  1. Licht und Luft: Die Haare um die Stelle sollten großzügig freigeschoren werden, damit die Wunde trocknen kann.
  2. Reinigen: Vorsichtig mit Desinfektionsmitteln (z. B. Octenisept) oder entzündungshemmenden Lösungen (z. B. Calendula) abtupfen.
  3. Leckstopp: Ein Kragen oder ein Body ist meist unverzichtbar, damit die Heilung beginnen kann.
  4. Tierarzt: Da Hotspots sehr schmerzhaft sind, sind oft kortisonhaltige Salben oder Antibiotika nötig.
  5.  

Präventions-Checkliste: Fellpflege gegen Hotspots

  • Unterwolle gründlich entfernen
  • Nach dem Baden abtrocknen:
  • Regelmäßige Parasitenkontrolle
  • Fell kurz halten (aber nicht scheren)
  • Kontrolle nach dem Spaziergang
  • Ohrenpflege

Pro-Tipp: Wenn du merkst, dass dein Hund an einer Stelle intensiv zu lecken beginnt, unterbinde es sofort und schau dir die Haut genau an – schnelles Handeln verhindert die Ausbreitung zum Hotspot!

Sodbrennen beim Hund ist nicht nur unangenehm, sondern kann bei chronischem Verlauf auch die Speiseröhre schädigen. Hier erfährst du, worauf du achten musst:

Woran erkennst du Sodbrennen?

Hunde können uns nicht sagen, dass es brennt, aber ihr Verhalten verrät sie oft:

  • Schmatzen und Gähnen: Häufiges Lecken der Lippen oder Leerschlucken.
  • Grasfressen: Exzessives Fressen von Gras (oft hektisch), um die Säure zu binden.
  • Aufstoßen: Manchmal begleitet von einem leicht säuerlichen Geruch aus dem Maul.
  • Nächtliche Unruhe: Da die Säure im Liegen leichter aufsteigen kann.
  • Futterverweigerung: Besonders am Morgen oder nach dem Fressen.

Was sind die Ursachen?

  • Fütterungsfehler: Zu große Mahlzeiten, zu hoher Fettgehalt oder minderwertiges Futter.
  • Stress: Schlägt Hunden sprichwörtlich auf den Magen.
  • Zu lange Pausen: Wenn der Magen zu lange leer ist, reizt die Magensäure die Schleimhäute.
  • Medikamente: Manche Schmerzmittel greifen die Magenschutzbarriere an.

Sofortmaßnahmen & Tipps

  1. Kleinere Portionen: Verteile die Tagesration auf 3–4 kleinere Mahlzeiten.
  2. Spätmahlzeit: Ein kleiner Snack direkt vor dem Schlafengehen (z. B. ein Hundekeks oder ein Löffel Hüttenkäse) verhindert den „sauren Magen“ am Morgen.
  3. Napf leicht erhöht: Das Fressen von einer erhöhten Position kann den Rückfluss der Säure mechanisch erschweren.
  4. Hausmittel: Ein Löffel Heilerde (für Hunde), Hüttenkäse oder etwas Haferschleim kann überschüssige Säure binden.

Wann zum Tierarzt?
Sollte dein Hund zusätzlich erbrechen, stark speicheln oder über mehrere Tage appetitlos sein, lass ihn untersuchen. Es könnte eine Gastritis (Magenschleimhautentzündung) oder eine Unverträglichkeit dahinterstecken.
 

Insektenstiche sind beim Hund meist harmlos, können aber – je nach Stelle und Empfindlichkeit – schmerzhaft sein oder allergische Reaktionen auslösen.

Woran erkennst du einen Stich?

  • Plötzliches Jaulen oder Aufspringen beim Toben.
  • Humpeln, falls der Hund in die Pfote gebissen oder gestochen wurde.
  • Belecken oder Beknabbern einer spezifischen Stelle.
  • Schwellung und Rötung, oft mit einem kleinen Punkt in der Mitte.

Erste Hilfe: Was kannst du tun?

  1. Stachel entfernen: Falls eine Biene zugestochen hat, kratze den Stachel vorsichtig mit dem Fingernagel oder einer Scheckkarte weg (nicht mit der Pinzette drücken, sonst gelangt mehr Gift in die Wunde).
  2. Kühlen: Nutze Eisbeutel (in ein Tuch gewickelt) oder kaltes Wasser, um die Schwellung zu lindern.
  3. Hausmittel: Eine aufgeschnittene Zwiebel oder ein Brei aus Backpulver und Wasser können das Gift neutralisieren und den Juckreiz lindern.

Wann wird es gefährlich?

In zwei Fällen musst du sofort zum Tierarzt:

  • Stiche im Maul- oder Rachenraum: Wenn der Hund nach einer Wespe schnappt, kann die Schwellung die Atemwege einengen. Sofortmaßnahmen: Maul von innen und außen kühlen (Eiswürfel schlecken lassen).
  • Allergischer Schock: Achte auf Anzeichen wie Atemnot, Erbrechen, blasse Schleimhäute oder Quaddeln am ganzen Körper.

Pro-Tipp: Wenn dein Hund bekanntermaßen allergisch reagiert, lass dir vom Tierarzt ein Notfallset für unterwegs zusammenstellen.

Vergiftungen sind für Hundebesitzer ein Albtraum, da viele Gefahrenquellen im Alltag lauern. Schnelles Handeln ist hier lebenswichtig.

Häufige Giftquellen

  • Lebensmittel: Schokolade (Theobromin), Weintrauben/Rosinen, Zwiebeln, Knoblauch und der Süßstoff Xylit (häufig in Kaugummis).
  • Pflanzen: Efeu, Buchsbaum, Lilien, Oleander oder Kirschlorbeer.
  • Haushalt & Garten: Rattengift, Schneckenkorn, Frostschutzmittel oder Reinigungsmittel.

Woran erkennst du eine Vergiftung?

Symptome treten oft plötzlich auf, können sich aber je nach Gift auch verzögern:

  • Magen-Darm: Starkes Speicheln, Erbrechen, Durchfall (teils blutig).
  • Neurologisch: Zittern, Taumeln, Krämpfe oder extreme Unruhe.
  • Kreislauf: Atemnot, blasse Schleimhäute oder völlige Apathie.

Richtiges Verhalten im Notfall

  1. Kein Erbrechen herbeiführen: Versuche niemals selbst, den Hund zum Erbrechen zu bringen (Gefahr der Verätzung oder des Erstickens).
  2. Giftquelle sichern: Wenn möglich, nimm eine Probe des Giftes (oder die Verpackung/Pflanze) mit zum Tierarzt.
  3. Aktivkohle: Nach Rücksprache mit dem Tierarzt kann die Gabe von Kohletabletten helfen, das Gift im Magen zu binden.
  4. Sofort zum Tierarzt: Rufe in der Praxis an, damit das Team den Notfall vorbereiten kann.

Wichtig: Bei Verdacht auf Rattengift zählt jede Minute, auch wenn der Hund noch keine Symptome zeigt, da dieses die Blutgerinnung zeitverzögert stört.

Die Magendrehung (Torsio ventriculi) ist einer der dramatischsten medizinischen Notfälle in der Hundehaltung. Dabei dreht sich der Magen um seine eigene Längsachse, wodurch Ein- und Ausgang sowie wichtige Blutgefäße abgeschnürt werden. Ohne sofortige Operation endet dieser Zustand innerhalb weniger Stunden tödlich.

Woran erkennst du eine Magendrehung?

Die Symptome treten meist plötzlich auf, oft am Abend oder in der Nacht:

  • Erfolgloses Erbrechen: Der Hund würgt massiv, aber es kommt nur Schaum oder gar nichts heraus.
  • Aufgeblähter Bauch: Die Bauchwand direkt hinter den Rippen wird hart und bläht sich trommelartig auf.
  • Extreme Unruhe: Der Hund wandert hektisch umher, hechelt stark und findet keine Liegeposition.
  • Schocksymptome: Blasse Schleimhäute, flache Atmung und schließlich völlige Apathie.

Was sind die Ursachen?

Besonders betroffen sind große Rassen mit tiefem Brustkorb (z. B. Deutsche Dogge, Schäferhund, Ridgeback).

  • Fütterung: Eine sehr große Mahlzeit pro Tag erhöht das Risiko.
  • Bewegung: Toben oder Treppensteigen direkt nach dem Fressen gilt als Risikofaktor.
  • Alter & Genetik: Mit erschlaffendem Bindegewebe steigt das Risiko.

Verhalten im Notfall

  1. Keine Zeit verlieren: Sofort in die nächste Tierklinik! Jede Minute zählt, um das Absterben der Magenwand und einen Kreislaufkollaps zu verhindern.
  2. Anrufen: Kündige dein Kommen telefonisch an, damit das OP-Team bereitsteht.
  3. Ruhe ausstrahlen: Stress verschlimmert den Schockzustand des Hundes.

Prävention: Verteile die Tagesration auf mindestens zwei Mahlzeiten und achte auf eine Ruhepause von 1–2 Stunden nach dem Fressen.

Parasiten 

Ein Thema welches mir besonders am Herzen liegt!

1. Die „Besucher“ von außen (Ektoparasiten)

Diese Plagegeister verursachen meist Juckreiz und können Krankheiten übertragen:

  • Zecken: Sie lauern im Gras und können Erreger wie Borreliose oder Anaplasmose übertragen. Wichtig: Nach jedem Spaziergang absuchen!
  • Flöhe: Sie vermehren sich rasant in der Umgebung (Körbchen, Teppich). Ein Flohbiss führt oft zu starkem Juckreiz oder einer Flohallergie.
  • Milben: Besonders Ohrmilben oder Grasmilben sind lästig. Sie verursachen Rötungen, Krusten und heftiges Kratzen.

2. Die „Untermieter“ von innen (Endoparasiten)

Diese befallen meist den Magen-Darm-Trakt und sind oft erst spät sichtbar:

  • Würmer: Spulwürmer, Bandwürmer und Hakenwürmer sind die Klassiker. Ein starker Befall zeigt sich durch Gewichtsverlust, „Schlittenfahren“ (Rutschen auf dem Po) oder einen aufgeblähten Bauch.
  • Giardien: Diese Einzeller verursachen oft hartnäckigen, wiederkehrenden Durchfall, der meist sehr unangenehm riecht.
  • Lungenwürmer: Sie werden oft über Schnecken aufgenommen und können Husten und Atemprobleme auslösen.

Wie schützt du deinen Hund?

  1. Regelmäßige Kontrolle: Fell absuchen und auf Veränderungen im Kot achten.
  2. Prophylaxe: Je nach Lebensstil helfen Spot-ons, Halsbänder, Tabletten oder regelmäßige Kotuntersuchungen beim Tierarzt.
  3. Hygiene: Hundekot immer aufsammeln, um den Infektionskreislauf (besonders bei Würmern) zu unterbrechen.

Wichtiger Hinweis: Viele Parasiten (wie Flöhe oder bestimmte Würmer) sind Zoonosen, das heißt, sie können auch auf uns Menschen übertragen werden!

 

 

Mittelmeerkrankheiten

Wenn du mit deinem Hund in den Süden reist oder einen Hund aus dem Tierschutz adoptierst, ist das Thema Mittelmeerkrankheiten essenziell. Diese werden meist durch spezifische Parasiten übertragen, die in wärmeren Regionen (Mittelmeerraum, Osteuropa, zunehmend auch Süddeutschland) heimisch sind. 

Die wichtigsten Überträger & Krankheiten

  1. Sandmücken → Leishmaniose
    • Die Gefahr: Sandmücken sind dämmerungsaktiv. Die Leishmaniose ist eine tückische Infektionskrankheit, die Organe (besonders die Nieren) schädigen kann.
    • Symptome: Schuppige Haut (oft um die Augen, die "Brillenbildung"), überlanges Krallenwachstum, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit.
  2. Braune Hundezecke → Ehrlichiose & Babesiose
    • Ehrlichiose: Befällt die weißen Blutkörperchen. Symptome sind Fieber, Nasenbluten und Gelenkbeschwerden.
    • Babesiose ("Hundemalaria"): Zerstört die roten Blutkörperchen. Anzeichen sind hohes Fieber und sehr dunkler Urin.
  3. Auwaldzecke → Anaplasmose
    • Ähnlich wie die Ehrlichiose führt sie zu Fieberschüben, Lahmheit und allgemeiner Schwäche.
  4. Stechmücken → Herzwürmer (Dirofilariose)
    • Die Gefahr: Larven wandern über die Blutbahn in das Herz und die Lungengefäße.
    • Symptome: Husten, Kurzatmigkeit und reduzierte Leistungsfähigkeit erst Monate nach der Infektion. 

Wie kannst du deinen Hund schützen?

  • Prophylaxe ist alles: Nutze spezielle Spot-ons oder Halsbänder, die ausdrücklich eine repellierende (abwehrende) Wirkung gegen Sandmücken und Zecken haben.
  • Abend-Check: In Risikogebieten sollten Hunde in der Dämmerung und nachts im Haus bleiben, um Sandmückenstiche zu minimieren.
  • Bluttest: Bei Hunden aus dem Ausland oder nach einem Urlaub sollte nach ca. 6 Monaten ein Reisekrankheiten-Check beim Tierarzt durchgeführt werden, da viele Krankheiten eine lange Inkubationszeit haben. 

Wichtig: Mittelmeerkrankheiten sind oft nicht heilbar, aber bei frühzeitiger Diagnose meist gut behandelbar, sodass der Hund ein normales Leben führen kann.

 

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